Privacy, Anonymity & Decentralisation

Mit dem Kärcher durch die Datentröge der Polizeien

Daten, Daten, Daten. Sicherheitsbehörden wollen immer mehr davon. Doch zu welchem Zweck und wo kommt machine learning ins Spiel? Wir liefern einen Überblick und besprechen Auskunftsansprüche, Beschwerdemöglichkeiten und Gegenmaßnahmen.
Nicht erst seit dem diesjährigen Sicherheitspaket befinden sich deutsche Geheimdienste und Polizeibehörden in einer Datensammelwut. Spätestens seit dem 11. September 2001 und dem Terrorismusbekämpfungsgesetz dienen terroristische Anschläge als Legitimation für die Politik, den Sicherheitsbehörden die Befugnisse zu geben, die diese ohnehin schon lange fordern. Dabei wachsen die Datenbanken der Behörden stetig. Ihre Namen sind INPOL-neu, PMS links/rechts/sport oder rosa Liste (IGVP), ATD, PIAV (Polizeilicher Informations- und Analyseverbund). Oft kommt es vor, dass auch eigentlich Unbeteiligte in diesen Listen landen, so bleiben z. B. Personen gegen die ermittelt wurde, weiterhin in INPOL gespeichert, nachdem das Verfahren längst eingestellt wurde. Ebenso sollen, wie im Sicherheitspaket geplant, biometrischer Daten mit öffentlich im Internet verfügbaren Daten abgeglichen werden. Den Betroffenen ist dabei meist nicht klar, ob und in welchen Datenbanken sie landen; der Dschungel an Datenbanken und Zuständigkeiten ist auch kaum zu überblicken. Betroffene werden weder automatisch informiert noch gilt die DSGVO für Ermittlungsbehörden. Teilweise werden sogar gesetzliche Informationspflichten, wie beispielsweise über Unbeteiligte in Funkzellenabfrage schlicht nicht eingehalten. Die immer größer werdenden Datenmengen sind kaum durch Menschen zu verarbeiten. Deshalb soll auf sogenannte künstliche Intelligenz wie autmatisierte Gesichtserkennung, Ganganalysen oder Analysen von "auffälligem Verhalten" gesetzt werden. Dabei werden Entscheidungen, die bisher durch Menschen getroffenen wurden, an Computer ausgelagert. Der Computer entscheidet also, wer am Bahnhof kontrolliert wird und damit über den Eingriff in dessen Grundrechte. Was können wir tun? Janik steht selbst in diversen Datenbanken der Polizei. Er erzählt im Vortrag über seinen langen Weg, um Auskunft bei den verschiedenen Landes- und Bundesbehörden zu erhalten. Entlang dieses Weges musste er Klage einreichen, weil die Behörden keine Auskunft erteilte, er musste Beschwerden beim BfDI einreichen, da das BKA Fotos von seinem Gesicht aus einer erkennungsdienstlichen Behandlung zweckentfremdete, um damit eine Marktanalyse von Gesichtserkennungssoftwaren durchzuführen. Seine Rechtsanwältin Bea erklärt die rechtlichen Hintergründe und setzt sich mit der Frage auseinander, mit welcher Vorstellung von Verantwortung im polizeichlichen Dienst wir es zukünftig zu tun haben werden.

Additional information

Type Talk 40 (30min +10 Q&A)
Language German

More sessions

12/27/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
WillCrash
Stage YELL
In a world of centralized internet control, building your own mesh network isn't just a technical challenge—it's digital independence. This beginner-friendly guide walks through creating resilient mesh networks using accessible hardware like LoRa and ESP devices. From antenna selection to node placement strategy, learn how to build networks that operate independently of traditional infrastructure.
12/27/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
Swantje Lange
Stage YELL
End-users in cellular networks are at risk of connecting to fake base stations, and we show that mitigations pushed in 5G are insufficient.
12/27/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
Rote Hilfe
Stage YELL
Staatliche Repression aufgrund der Teilnahme an Demonstrationen oder wegen anderer politischer Tätigkeiten gehören zur leidigen Erfahrung von Aktivist*innen. Wir geben Tipps und diskutieren, wie man mit einigen, typisch auftretenden Situationen bzw. Repressionsmaßnahmen umgehen kann.
12/27/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
Alvar C.H. Freude
Stage YELL
Wenn Sicherheitsforscher und Hacker Datenlecks direkt dem dafür Verantwortlichen melden, setzen sich u.U. strafrechtlichem Risiko aus oder werden auch mal schlicht ignoriert. Stattdessen kann es in der Praxis aber auch sinnvoll sein, die Möglichkeiten der DS-GVO und die Befugnisse der Datenschutz-Aufsichtsbehörden zu nutzen, um Sicherheitslücken schnell zu schließen.
12/27/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
missytake
Stage YELL
Seit Jahren bemüht sich die Cryptoparty-Bewegung, digitale Selbstbestimmung in der Gesellschaft zu verbreiten. Besonders Aktivist\*innen sind sehr auf dieses Wissen angewiesen - doch ein Abend-Workshop von 2-3 Stunden schafft bei ihnen oft mehr Unsicherheiten als vorher. Wie kann man zwischen Nerds und Aktivist*innen übersetzen? Wir haben viel ausprobiert, teilen unser Konzept mit euch und erzählen, welche Lernatmosphäre & pädagogischen Mittel es braucht, um die Hürden für nicht-Nerds ...
12/28/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
Mark
Stage HUFF
Reticulum is a cryptography-based networking stack for building local and wide-area networks with readily available hardware. Reticulum can continue to operate even in adverse conditions with very high latency and extremely low bandwidth. The vision of Reticulum is to allow anyone to operate their own sovereign communication networks, and to make it cheap and easy to cover vast areas with a myriad of independent, interconnectable and autonomous networks.
12/28/24
Privacy, Anonymity & Decentralisation
codecivil
Stage YELL
An increasing number of countries is implementing algorithmic decision-making and fraud detection systems within their social benefits system. Instead of improving decision fairness and ensuring effective procedures, these systems often reinforce preexisting discriminations and injustices. The talk presents case studies of automation in the welfare systems of the Netherlands, India, Serbia and Denmark, based on research by Amnesty International.