Zwischen Brandanschlägen und Platzbesetzungen: Eine antirassistische Geschichte aus Bern (1980 - 2000)

Am Spätverkauf
gabel
Anfang der 90er brennen in der Schweiz die Asylheime. Nicht Rostock oder Hoyerswerda, sondern auch Chur, Lotzwil und Konolfingen bei Bern. Das ist die oft vergessene Welle rechtsextremen Terrors mitten in der Schweiz. Rechtsextreme Skinheadgruppen, später Blood & Honour- und Hammerskins-Strukturen, traten offen auf, organisierten Konzerte, patrouillierten in Gruppen durch Städte und agierten äusserst brutal. Die staatliche Reaktion blieb lange verhalten – Bagatellisierung, Wegschauen, fehlende Ermittlungen. Antifaschistische Organisation und Selbstschutz wurden damit zur Notwendigkeit. Parallel dazu entwickelte sich in Bern eine kraftvolle antirassistische Bewegung, die weit über Szenepolitik hinausging. Während rechts motivierte Gewalt zunahm und Asylgesetzverschärfungen politische Mehrheiten fanden, begann ein breiter gesellschaftlicher Widerstand, getragen von migrantischen Communities, Gewerkschaften und linken Gruppen. In dieser Zeit fanden grosse Demonstrationen für die Antirassismusstrafnorm statt – ein Gesetz, das damals hart umkämpft war und dessen Annahme erst durch massiven öffentlichen Druck möglich wurde. Gleichzeitig entstand eine breite Sans-Papiers-Bewegung: Platzbesetzungen, Kirchenasyle, Streiks, «Papierlose Restaurants» und lokale Netzwerke machten sichtbar, dass Tausende Menschen ohne geregelten Status in der Schweiz leben und arbeiten. Die Kämpfe dieser Jahre zeigen deutlich, dass antifaschistische und antirassistische Arbeit nicht getrennt voneinander existierten: Sie waren eine gemeinsame Antwort auf rechte Gewalt, und staatliche Ignoranz.

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Type Antifa Lightning Talk
Language German

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12/27/25
WSR
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Die Bauindustrie versteht sich auf der ganzen Herstellungs- und Lieferkette gut in der Umweltzerstörung und in der Verdrängung von Menschen für den Profit. Aber auch im Niderschlagen von Protesten und Widerständen ist sie bereits geübt. Vor bald 3 Jahren wurde in der Schweiz ein wertvoller Wald besetzt. Die Menschen stellten sich damit gegen die Rodung des Waldes für eine Bauschuttdeponie und den Abrisswahn, sowie der damit verbundenen Gentrifizierung in der angrenzenden Stadt. Die ...
12/27/25
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Die Antifa™ kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken - also machen wir das doch mal. Wir bringen ein kleines Best-Of der jüngeren Bewegungsgeschichte mit und zeigen Bilder von und Einblicke in Momente, an denen uns klar wurde: Antifa will win!
12/28/25
Sassi
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Straßen aus Zucker lädt ein zur Frage: Sind linke Utopien tot – oder nötiger denn je? Spoiler: Aufgeben ist keine Option.
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w1ntermute
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Aktivistis haben das Problem, dass sie sich Hauptsächlich um ihre Aktion kümmern wollen. Da bleibt oft keine Zeit zu entscheiden, wie eine sichere Infrastruktur gestaltet werden kann. Ich möchte einmal vorstellen, was unsere Gruppe als Idee hat um dieses Problem zu lösen. Der Code hierfür ist noch nicht fertig, das ist eine Konzept vorstellung.
12/28/25
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Climatepoetry.org started as a project for writing and collecting songs about climate change. The songs have been used in sing-along events and climate protests, but during the three years the project has existed, the political climate in Sweden has changed. Peaceful singing has been met with hateful rhetoric from the government and repression from the police. It became clear that anti-fascist activism has to be an integrated part of the Climatepoetry.org project, and not a separate activity.
12/29/25
Carla
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In the tech-coops we are several tech collectives sharing the same values. In the Q&A we want to talk a bit how wie organise our work and what we do in our collectives. Come by and have a chat with us :) https://tech-coops.de/